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4.Tag, 02.10. Col d´Ares
- La Seu d´Urgell
Sonnenaufgang auf dem Paß um 07:46 Uhr (das GPS hat es uns
verraten - wir hätten es aber auch so gemerkt). Wir sind schon
auf den Beinen, um dieses Spektakel zu fotografieren. Nach einem
wärmenden Kaffee sind wir kurze Zeit später in Spanien.
In Mollo wird aufgetankt, und wir folgen den Bundesstraßen
151 und 152. Ziemlich oft begegnen wir den spanischen Landys, die
hier Santana heißen und oft in einem erstaunlich guten Zustand
sind. Beim Ort La Molina verlassen wir wieder die Teerstraße
und benutzen auf dieser Tour zum ersten Mal die Untersetzung der
Landys. Die zu Anfang leichte Piste durch den Wald erweist sich
am Nachmittag als schwieriges Unterfangen, als wir uns den Weg ins
Tal suchen. Immer wieder müssen wir anhalten und uns den Weg
frei sägen. Der Pfad ist manchmal so eng, daß sich Bernd
einen Teil seines Schnorchels abreist. Trotz der frei gesägten
Piste trägt jetzt jeder Landy tiefe Spuren der dicken Äste
an den Seiten. Ohne Untersetzung wäre die steile Abfahrt äußerst
schwierig, zudem wir noch tiefen Gräben ausweichen und an dicken
Felsen vorbeifahren müssen. Für die letzten vier Kilometer
ins Tal brauchen wir schweißtreibende zwei Stunden. Hinzu
kommt noch, daß wir uns auf einem schmalen Pfad verfahren,
und beim wenden knallt die ausgeklappte Stufe gegen eine Felswand
und verbiegt sich. Am Nachmittag erreichen wir endlich Piugcerda
und von da an fahren wir die letzten 50 Kilometer bis La Seu d´Urgell
nur noch Landstraße. Auf dem glatten Asphaltband hat das Getriebe
genügend Zeit, seine durchgeschüttelten Zahnräder
wieder in die richtige Reihenfolge zu bringen.
5.Tag, 03.10. La Seu d´Urgell - Andorra - La Seu d´Urgell
Vormittags fahren wir ein kurzes Stück, bis wir die Grenze
nach Andorra passieren. Rechts und links der Bundesstraße
erheben sich die Steilhänge der Berge, die wir unter die Räder
nehmen wollen. Aber erst mal heißt es billig tanken und einkaufen.
Die riesigen Einkaufszentren entlang der Straße lassen keine
Wünsche offen. Zollfreie Ware soweit das Auge reicht. Bei der
Ausfahrt aus dem kleinen Land winken die Zöllner unseren kleinen
Konvoi in eine Parkbucht. Aber es genügt nur ein Blick in den
Innenraum und die Zöllner lassen uns weiterfahren. Wahrscheinlich
ist gerade Siesta und auf Landys ausräumen hat wohl niemand
so richtig Lust. Kurz hinter der Grenze verlassen wir die Bundesstraße
und fahren eine schmale Bergstraße hoch. Bald darauf geht
der Teer wieder in Schotter über. Wir genießen eine tolle
Fahrt mit phantastischen Passagen und grandiosen Ausblicken. Zur
Belohnung wird uns auch ab und zu ein schönes Schlammloch geboten.
Bei einer Pause entdecke ich ein kleines Malheur an meinem Landy:
der Auspufftopf ist abgefallen. Der Versuch, eine Coladose als Verbindungsstück
anzuschrauben, mißlingt. Fahr ich eben ohne Endtopf. Kurze
Zeit später wird uns eine Offroad-Strecke der allerfeinsten
Art geboten. Bachdurchfahrten, Schräglagen, Verschränkungen,
steile Auffahrten und tiefe Schlammlöcher. Vorbei an einem
verlassenen Dorf wird die Piste immer rauher. An einem besonders
tiefen Wasserloch halten wir an und überlegen, ob wir eine
Durchfahrt wagen sollen. Bernd ist der erste, klatscht ins Wasser
und bleibt an der Auffahrt hängen. Beim Rückwärtsfahren
bleibt sein Nummernschild im Schlamm stecken und reißt ab.
Beim zweiten Versuch treibt er den Landy durch das Wasserloch und
schliddert verdreckt und tropfend aus dem Schlamm heraus. Auch ich
wage ein Durchquerung und tauche steil und tief in die Matschgrube
ein. Ich höre nur zwei Schläge, einer vorn und der andere
hinten, als die Stoßstange auf dem Untergrund aufsetzt und
hinten die Anhängerkupplung an der Abfahrt anschlägt.
Dazu schwappt noch eine Welle aus Schlamm und braunem Wasser über
die Motorhaube. Die ganze Aktion dauert aber nur zwei Sekunden und
schon bin ich wieder draußen. Trotz des harten Badeausfluges
scheint aber noch alles zu funktionieren. Am frühen Abend suchen
wir einen geeigneten Übernachtungsplatz, werden aber nicht
so richtig fündig. Bei der Diskussion, ob Campingplatz oder
wild campen, siegt am Ende der Campingplatz in La Seu.
6.Tag, 04.10. La Seu d´Urgell - Pic Negre (2642 m)
Kurz hinter La Seu geht´s schon wieder auf Schotter. Nicht
ganz so hart wie gestern, aber mindestens genau so schön. Ca.
500 Meter über dem Tal folgen wir einer staubigen Piste, die
bis an die Grenze nach Andorra führt. Doch nach über einer
Stunde Fahrt ist plötzlich Schluß. Ein tiefer Graben
versperrt uns den Weg. Zu tief und zu breit, um einfach so darüber
zu fahren. Anscheinend wollen hier Bauarbeiter eine Wasserleitung
oder ähnliches verlegen. Umkehren wollen wir aber nicht, statt
dessen packen wir die Schaufeln heraus und beginnen den Graben zuzuschütten.
Wir sind schon ziemlich weit, zweifeln aber trotzdem noch an unserem
Unternehmen, als plötzlich ein alter Spanier mit Hund um die
Ecke biegt. Wir erwarten schon einen kräftigen Anschiß
und lassen verstohlen die Schaufeln sinken, als der Alte näher
kommt und auf den halb zugeschütteten Graben blickt. Vielleicht
hat er ja gestern eigenhändig den Graben ausgebuddelt und will
sein Wunderwerk gerade begutachten. Er fängt auch sofort an
zu erzählen, zeigt ab und zu auf den Graben und schüttelt
immer wieder den Kopf. Manchmal lacht er auch, als ob er fünf
Blöde vor sich stehen hat, die in der Mittagshitze nichts besseres
zu tun haben, als einen Graben zuzuschütten und das seit langem
das Albernste ist, was er hier oben in den Bergen gesehen hat. Er
gestikuliert andauernd mit seinen Händen, quatscht Werner voll,
der kein Wort versteht, aber trotzdem immer "Si" antwortet.
Anscheinend will er, daß wir umkehren; ihm sei das ja völlig
wurscht, was wir hier oben machen, er weiß von nix, aber hinter
der nächsten Kurve kommen noch mindestens eine ganze Menge
Gräben und wir könnten graben, bis wir schwarz werden.
Das hat er garantiert gesagt, jedenfalls reden wir uns das ein und
geben unsere Buddelei auf.
Wir müssen ein Stück zurück, finden dann aber wieder
eine andere Piste, die uns immer höher führt. Auf einer
Hochebene in über 2000 m Höhe halten wir an einer Kuhherde
an. Bernd will sich ja noch eine Kuhglocke ´besorgen´
und sie an die Stoßstange hängen. Die Viecher lassen
aber nicht mit sich reden, glotzen uns nur dumm an und scheißen
auf uns. Auf der Hochebene begegnen uns einige Jäger in verschiedenen
4x4-Marken und schauen uns hinterher, als wir die steile Piste immer
weiter hoch fahren. Wir haben die Baumgrenze schon lange hinter
uns gelassen und kriechen mit Untersetzung die Piste langsam hoch.
Ich achte gespannt auf jedes unangenehme Geräusch aus der Antriebsgegend
und hoffe, daß alles hält. Eine Panne hier oben wäre
sehr fatal. Aber unsere Landys machen alles mit. Unter dem 2701
m hohen Gipfel des Pic Negre halten wir an und genießen die
grandiose Bergwelt der Pyrenäen. Es ist ziemlich kalt und der
Wind tut sein übriges. Erny macht noch ein Beweisfoto des GPS
mit der angezeigten Höhe von 2642 m, und dann geht´s
auch schon wieder runter. Zum Übernachten ist es wirklich zu
kalt. In 2160 m Höhe finden wir eine flache Almwiese, wo wir
unser Lager errichten. Allerdings ist hier einiges los. Ein Jäger
kommt ständig mit seinem Wagen vorbei gefahren, ein Schäfer
treibt seine Herde mitten durch unser Lager, und eine humpelnde
Kuh schaut auch noch vorbei. Der heisere Hund des Schäfers
kläfft uns bis spät in den Abend an. Kurz nach Sonnenuntergang
wird es empfindlich kalt und als Nebel aufzieht, liegen wir auch
schon bald danach in den Autos.
7.Tag, 05.10. Pic Negre - Bourg en Bresse
Der Nebel verzieht sich nur langsam, als wir am Morgen unser Lager
abbauen. Doch als wir wieder unterwegs sind, haben die wärmenden
Strahlen den Nebel vertrieben. Auf andorranischer Seite halten wir
kurz an einer Skistation an, um dann wieder über die Piste
nach Spanien zu fahren. Am Wegesrand wartet schon ein Geländewagen
der Guardia Civil auf uns, die unsere Ausweise kontrollieren. Die
nächste Stunde bewegen wir uns langsam ins Tal, wo wir die
Schotterpiste endgültig verlassen und von nun an wieder auf
Teer Richtung Heimat fahren. Im letzten Ort vor der spanisch-französischen
Grenze tanken wir noch mal voll und fahren Richtung Perpignan. Wir
sind uns nicht so ganz einig, ob wir heute so weit wie möglich,
ja sogar ganz bis nach Hause durchfahren, oder nur eine kleinere
Etappe bewältigen. Erny zieht es zu seiner Familie, Bernd will
mal so richtig Gas geben und Werner möchte höchstens bis
20 Uhr fahren und auf einer Autobahnraststätte übernachten.
Mir ist die Streckenwahl eigentlich egal, Hauptsache wir kommen
vorwärts und brauchen nicht wieder fast drei Tage. Hinter Perpignan
gibt es sogar Autobahn für umsonst, da die Franzosen heute
streiken. Von Montpellier bis Lyon kostet es aber wieder, was uns
heute abend so ziemlich egal ist. Wir kommen gut vorwärts,
trotz teilweise dichtem Verkehr auf der Autobahn. Mit dem Funk können
wir das ein oder andere verlorene Schäfchen schnell einfangen.
Wir können Werner überreden, bis Bourg en Bresse durchzufahren,
das wir gegen 23 Uhr erreichen.
8.Tag, 06.10. Bourg en Bresse - Frankfurt
Heimfahrt um 9 Uhr. An einer Tankstelle gabeln wir eine einsame Landyfahrerin
auf, die aus den Pyrenäen kommend auf dem Heimweg nach Karlsruhe
ist. Sie verabschiedet sich aber wieder, als wir zu einer Pause anhalten.
Am Nachmittag schleppe ich mich mit letztem Tropfen über die
Grenze nach Deutschland, wo aufgetankt wird. Nach dem letzten Tankstopp
in Puigcerda zeigt die Uhr 976 Kilometer. Es passen 67 Liter in den
Tank, plus knapp zehn Liter aus dem Reservekanister - macht weniger
als 8 Liter pro 100 Kilometer auf der Autobahn. Die letzten drei Stunden
bis kurz vor Frankfurt sind ermüdend. 93 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit
sind eher bremsend, besonders für LKW, die uns anfangs pausenlos
überholen. Bernd hat so manches Mal die Nase voll und überholt
uns mit Höchstgeschwindigkeit. Wir finden ihn dann Kilometer
später auf einer Raststätte, wo er eine Pause einlegt. In
Lorsch heißt es dann ´Auf Wiedersehen´ sagen. Wir
sehen uns beim Stammtisch, spätestens aber in 51 Wochen an der
Autobahnraststätte. Gegen 19 Uhr erreichen wir nach 8 Tagen und
3142 Kilometer Frankfurt. Tom, November 2001 |
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