Greenlandy.de - Reiseberichte

 

Pyrenäen

29.09. - 06.10. 2001

Ein Reisebericht aus dem Greenlandy 110 Tdi

 

Knapp zehn Monate nach der Entstehung des Landystammtisches Bad Homburg geht ein kleiner Teil der "Gemeinde" Ende September erstmals auf große Tour. Angeführt von unserem erfahrenen Tourguide Werner, der die Pyrenäen in den letzten Jahren schon mehrmals unter seine Reifen genommen hat, hängen sich Erny mit seinem 90er, Bernd mit seinem 110er Zebra und ich mit Greenlandy an seine Hinterreifen. Mit von der Partie ist außerdem noch Werners Sohn Markus, der für eine Woche von seinen Computerspielen zu Hause weggelockt und in die Natur entführt, bzw. in einen Landrover gesperrt wird.
Die kleine Gruppe ist erstaunlich gut ausgerüstet. Egal, ob man Dosenfutter, Snickers (nur 1-2 pro Tag, wegen des Diätplans...) oder Fertiggerichte bevorzugt, Hunger muß in der Woche niemand leiden. Auch sonst sind wir so gut equipt, als ob wir eine Afrikadurchquerung vorhaben: GPS, Laptop, Digicam, CB- und PMR-Funk; aber alles Geräte, die sich auch auf so einer kurzen und relativ unspektakulären Tour als nützlich und hilfreich erweisen.

1.Tag, 29.09. Frankfurt - Bourg en Bresse

Treffpunkt an diesem dunklen Samstagmorgen ist für einen Teil von uns eine Tanke am Flughafen. Kurze Zeit später sammeln wir noch Bernd auf und die Reise kann beginnen. Zuerst geht es knapp vier Stunden die A5 runter. Mit knapp 95 Sachen auf dem Tacho zuckelt der Konvoi gemütlich gen Süden. Die ermüdende Zählerei der Nieten des Vordermannes wird nur ab und zu von leichtsinnigen Autofahrern unterbrochen, die einen Meter vor einem einscheren, abbremsen und so ihren plötzlichen Tod durch heftiges Herauskatapultieren aus der Autobahn riskieren.
Mittags erreichen wir Frankreich, wo wir die Autobahn kurz hinter Mühlhausen verlassen. Wir wollen uns die Autobahngebühr sparen und über Landstraße unser erstes Etappenziel hinter Lyon erreichen. Bald darauf fängt es an zu regnen. Durch die südlichen Ausläufer des Elsaß schlängeln wir uns bergauf und bergab in Richtung Besancon. Beim ersten größeren Stopp zeigt uns Werner, daß ein Benzinkocher auch Flammen von der Größe einer Raffinerie machen kann, aber zum Kochen völlig ungeeignet ist.
Aufgrund der verlängerten Kochpausen und des schlechten Wetters kommen wir nicht so zügig vorwärts wie erhofft. Kurz hinter Bourg-en-Bresse folgen wir dem Wegweiser zu einem Campingplatz. Dieser ist zwar schon geschlossen, aber wir fahren trotzdem durch die offene Einfahrt und stellen die Landys unter ein großes Dach. So ersparen wir uns nasse Füße und den Aufbau der Zeltplanen. Unter dem gemütlichen Dach haben wir dann alle die Möglichkeit, unser mitgebrachtes Equipment vorzuführen: Diverse Gaskocher (eher Gasbrenner !) und Lampen werden ausgepackt, und Bernd kann mit seiner Petromax den gesamten Campingplatz ausleuchten. Ganz besonders bewundern wir Erny´s Schlafausbau in seinem 90er, den er mit wenigen Handgriffen zu einer gemütlichen Kuschelhöhle umfunktioniert. Ein wenig kaputt und müde sitzen wir noch zusammen und verziehen uns dann gegen halb Zehn in die Landys.

2.Tag, 30.09. Bourg en Bresse - Béziers

Um kurz vor Acht hockt schon wieder jeder vor seinem Kocher, um Kaffee oder Tee zu kochen oder um sich Rinderrouladen aus der Dose aufzuwärmen. Während Werner seinen Benzinkocher beschimpft, vergiftet Bernd eine streunende Katze mit seinen Rinderrouladen.
Am frühen Mittag erreichen wir Lyon und fahren weiter in Richtung St. Etienne. Das erste Mal kämpft sich die Sonne erfolgreich durch den Dunst, so daß wir bei der Mittagspause ein weiteres Mal die Benzinkocheraktion von Werner bewundern können. Manchmal lodern Flammen hervor, manchmal zischen Benzindämpfe aus seinen Ventilen, aber funktionieren will er eigentlich nie so richtig.
Weiter geht die Fahrt über das grandiose Hochplateau von Velay und hinter Le Puy erreichen wir die Cevennen. Bis zur Mittelmeerküste fahren wir kostenlose Autobahn, aber unser heutiges Ziel in den Pyrenäen erreichen wir nicht. Wir haben mal wieder zu doll getrödelt und zu oft angehalten (12x pinkeln, 9x essen, 18x fotografieren). Aber egal, wir haben ja Zeit und finden kurz hinter Béziers einen Campingplatz. Morgen sind es dann nur noch wenige Stunden bis zum Ziel. Erny demonstriert seine Kochkünste an Ravioli, verteilt sie aber dann lieber auf der Wiese. So kommt wenigstens sein Spaten zur Geltung.

3.Tag, 01.10. Béziers - Col d´Ares (1519m)

Tiefe Wolken hängen über dem Campingplatz, als wir um 8 Uhr aufstehen. Nach dem Frühstück und der ersten Dusche seit zu Hause (Markus klingt wenig überzeugend, als er erklärt, daß zwölfjährige Jungs schmutzunempfindlich sind und daher nicht duschen müssen), sind wir schon wieder unterwegs. Hinter Perpignan strahlt wieder die Sonne und wir sehen die ersten Gipfel der Pyrenäen. Besonders beeindruckend ist der Pic du Canigou, mit 2784 m Höhe einer der höchsten Berge in dieser Region. In dem kleinen Ort Vinca verlassen wir die breite Bundesstraße und fahren auf einer schmalen Straße zum Dorf Valmanya. Anfangs geht die Fahrt durch Pfirsichhaine, später durch dichten Bergwald. Die Bergstraße windet sich in unzähligen Kurven das Tal hinauf, bis wir nach einer Stunde Fahrt einen Paß in knapp 1100 m Höhe erreichen.
Bis jetzt sind wir immer auf Asphalt gefahren, aber hier oben zweigt ein Schotterweg zu einem Restaurant in 9 Kilometer Entfernung ab. Das erste Mal holpern die Landys über grobes Gestein und winden sich in atem-beraubender Landschaft die Piste hinauf. Wir halten oft an und bewundern die Gegend. Weit unter uns versinken die Täler und das Tiefland im dichten Dunst. Nach zweistündiger Fahrt über Schotterpisten und matschige Waldwege erreichen wir einen Rastplatz unterhalb des 1778 m hohen Puig de l´Estelle. Da hier eine Teerstraße hinauf führt, sind natürlich auch Touristen und Radfahrer da. Nach kurzer Pause fahren wir hinunter ins Tal, biegen dann ab und folgen einer Piste in den Wald. Eine halbe Stunde holpern wir durch Gräben und Pfützen hinab, müssen dann aber umkehren, da der Weg unten im Tal auf einer Wiese endet. Nur ein aufgeschreckter Esel kommt aus dem Gebüsch gerannt, schnappt sich den ungeduschten Halbwüchsigen und frißt ihn mit Haut und Haaren auf.......(Blödsinn)
Nach einem weiteren Abstecher über Asphalt ins Tal, ziehen wieder Wolken und Dunst auf, so daß es uns bald wieder in größerer Höhen zieht. Wir fahren durch Prats-de-Mollo und anschließend auf den 1519 m hohen Col d´ Ares. Auf dem Paß verläuft die Grenze nach Spanien und wir wollen heute hier oben übernachten. Am frühen Abend erreichen wir den Parkplatz der Grenzstation. Hier ist alles verwaist und die Grenzstation schon seit Jahren geschlossen. Der Aufbau der Plane zwischen allen vier Landys gestaltet sich ein wenig kompliziert, mal hängt sie hier durch, mal dort; aber nach einigen Versuchen und milimetergenauem Parken haben wir unser Lager aufgebaut. Wir erleben einen wunderbaren Sonnenuntergang und den Augenblick, als Werner seinen Benzinkocher einpackt und ihn nie wieder heraus holt. Im Dunkeln strahlt Bernd´s Petromax mindestens bis Paris oder Madrid, daher macht er sie jedes Mal aus, wenn ein Auto den Paß hinauf fährt. Muß ja nicht jeder mitbekommen, daß wir hier oben campen. Unser heutiges Nachtlager ist Bernd und Erny nicht so geheuer. Mißtrauisch begutachten sie die Einschußlöcher in einem Schild und achten gespannt auf jedes Geräusch. Waren da nicht eben Banditen oder Schmuggler? Nervosität kommt auf, als plötzlich die spanische Polizei vorfährt. Anscheinend überrascht, hier oben jemanden vorzufinden, schalten sie ihr Blaulicht an und kommen zu uns heran. Wir verstehen kein Wort von dem, was die uns da fragen, aber nachdem unsere Nationalität und unser nächstes Ziel Andorra geklärt sind, fahren sie wieder weiter. Es ist ziemlich kühl, als wir uns gegen Mitternacht in die Landys verkriechen.

 
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