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"auf
Pad"
Seite 4: Lüderitz, Kolmanskoop
Duwisib Castle
Bettas Camp
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8. Tag, 08.11. Lüderitz
Am Morgen ist das erste Ziel eine Bank. Zwar gibt es in fast jeder
Stadt einen Geldautomaten, aber ich habe noch eine Menge Bargeld
in Form von US-Dollar. Die Prozedur in der Bank zieht sich hin.
Jeder
der über 25 Geldscheine wird kopiert, die Nummern aufgeschrieben
und zusätzlich mehrere Kopien meines Passes angefertigt. Mit
den frischen NAM-Dollars gehe ich direkt auf die andere Straßenseite,
um bei der Tourist-Info Tickets für Kolmannskoop zu kaufen.
Auch hier wird Deutsch gesprochen, wie in fast jedem Laden, wo Touristen
ein und aus gehen. Wie fast jedes Geschäft ist auch dieses
durch ein schweres Gittertor am Eingang gesichert. Erst wenn der
Verkäufer innen den Kunden sieht, öffnet er per Knopfdruck
die Tür. So schützt man sich hier vor Überfällen
und ungebetenen Gästen. Wir fühlen uns trotz (oder wegen?)
aller Vorsichtsmaßnahmen immer sehr sicher, meiden aber einsame
Ecken in allen Städten und Ansammlungen von herumlungernden,
verdächtigen Personen. Man ist eben als Tourist sofort zu erkennen.
Vorsicht und ein gesundes Misstrauen sind angebracht und nicht verkehrt.
In wieweit hier Polizei und sonstiges Sicherheitspersonal sofort
zur Stelle wäre, kann man schwer abschätzen. An einem
Geldautomaten hockte z.B. ein Wachmann mit Maschinenpistole. Sehr
sicher, könnte man glauben; solche Sicherheitsvorkehrungen
wären bei uns undenkbar (allerdings auch unnötig), nützt
allerdings wenig, wenn der mit der dicken Waffe ausgerüstete
Mensch tief und fest schläft und seine Kanone neben sich im
Gestrüpp liegen lässt.
Wir machen uns auf den Weg nach Kolmannskoop. Wir haben Tickets
für die 11 Uhr-Führung. Danach könne man sich auf
dem großen Gelände selbständig umsehen.
 Vor
ca. 100 Jahren wurden hier die ersten Diamanten gefunden und es
entstand eine richtiges Dorf mit allem erdenklichen Luxus mitten
in der Wüste. Der Boom dauerte bis zum 1. Weltkrieg an; alles
wurde aus Deutschland per Schiff importiert, um es den Arbeitern
und deren Familien so angenehm wie möglich zu machen. Es gab
eine Straßenbahn, eine Turnhalle, ein Casino, sogar eine Eisfabrik.
Nach dem verlorenen Weltkrieg wurde der Diamantenabbau staatlich
organisiert und ertragreichere Minen im Süden eröffnet.
Vor ca. 50 Jahren verließ der letzte Einwohner den Ort, der
immer gegen den Sand, den Wassermangel und den Wind zu bestehen
hatte.
Heute ist das Casino wieder hergerichtet, man kann die Kegelbahn
und das Theater besichtigen. Ein Museum dokumentiert mit vielen
Relikten und Fotos die Geschichte des ungewöhnlichen Ortes
und das Leben der Menschen.
Allerdings wachsen die Sanddünen immer weiter in die nicht
restaurierten Häuser hinein. Sie verfallen zusehends, und irgendwann
wird wahrscheinlich der gesamte Ort unter dem Sand begraben sein.
Nach
diesem eindrucksvollen Besuch fahren wir zum Diaz Point und zur
Grossen Bucht südlich der Stadt.
Am Diaz Point steht ein großer Leuchtturm, sowie die Rekonstruktion
des Steinkreuzes, das Diaz 1488 hier errichtet hat. Über Mondlandschaft
fahren wir weiter zur Grossen Bucht; auf dem Weg dorthin weisen
Schilder zu Buchten und Badestränden. Bei dem Wind und den
relativ niedrigen Temperaturen ist uns aber nicht zum Baden zumute.

Nachmittags sind wir wieder in Lüderitz , wo wir schnell eine
Unterkunft für die Nacht finden. Das gemütliche Hansa
Haus mit Blick über die Stadt ist perfekt. Eine Privatunterkunft
mit großer Küche und sehr geräumigen Gästezimmern.
9. Tag, 09.11. Lüderitz - Duwisib / Bettas Camp
Wir
verlassen die Stadt am Morgen. Bis Aus müssen wir die ganze
Straße wieder zurück. Vorbei an der Diamantenstadt, vorbei
an den Dünen, die hier nahe der Straße die alte Eisenbahnlinie
unter sich begraben und vorbei an den Wildpferden.
Kurz vor Aus sehen wir am Straßenrand einen Nissan-Pick Up
mit geöffneter Motorhaube und ratlosem Fahrer. Als er uns bemerkt,
winkt er sofort um Hilfe. Aus seinem Motor stinkt es nach verbranntem
Gummi und nach Öl. Ob wir bis Aus fahren und jemanden von der
Tankstelle herschicken könnten, bittet er uns. Naja, meine
ich, ich könnte ihn doch genauso gut bis Aus abschleppen. Gesagt,
getan, nach ein paar Minuten hängt der Nissan für die
restlichen 15 km bis Aus am Seil.
Kurz hinter Aus biegt die C13 nach Norden ab. Nach weiteren 50 km
biegen wir links auf die D707 ab. Die Fahrt auf dieser Pad gehört
zu den landschaftlichen Höhepunkten Namibias. Die Route ist
einsam, und die westlich gelegene Wüste mit ihren rötlichen
Dünenkämmen sowie die östlich gelegenen Tirasberge
sorgen für ein eindrucksvolles Erlebnis. Die Piste ist nicht
mehr hell, sondern, wie die gesamte Umgebung, rötlich und sehr
einfach zu befahren. An der Gästefarm Sinclair biegen wir nach
links auf die C27 ab. Jetzt ist es nicht mehr sehr weit bis zum
Schloss Duwisib. 20 Km vor dem Schloss biegen wir bei Bettas Camp
rechts ab. Die Farm mit angrenzendem Campingplatz und Tankstelle
sieht sehr schön und gepflegt aus. Wir merken uns den Platz
für heute abend vor, falls das Duwisib Camp nichts sein sollte.
Duwisib Castle ist schon sehr witzig und ein bißchen verrückt.
Mitten in der Namib steht dieses Sandstein-Schloß, das der
Erbauer Hansheinrich von Wolff 1908 hier errichten ließ. Er
holte viele Baumaterialien, sowie die komplette Inneneinrichtung
aus Deutschland und verbrachte hier einige Jahre mit seiner Frau
in diesem merkwürdigem Domizil fernab der Heimat, bis er 1914
im ersten Weltkrieg fiel.

Man kann das Schloß besichtigen und im nahen Café Kuchen
nach original deutschen Rezepten essen.
Der Campingplatz ist wirklich nichts besonderes: Kein Wasser und kein
Schatten. Schnell
fahren wir nach Bettas Camp zurück, wo sich schon ein paar andere
Reisende eingefunden haben. Es ist aber genügend Platz vorhanden,
und wir können uns einen Stellplatz aussuchen. Jeder Platz hat
einen Parkplatz mit Sonnendach für das Auto, oben drüber
eine Aussichtsplattform für den Sonnenuntergang und unten ein
gemauertes Areal mit Grill und Tisch. Zum ersten Mal bauen wir an
diesem Abend unsere Dachzelte auf.
Wir genießen einen wunderbaren Sonnenuntergang von unserer Aussichtsplattform,
und mittlerweile hat sich auch der starke Wind etwas gelegt. Eigenartigerweise
bläst fast jeden Abend ungefähr eine Stunde vor Sonnenuntergang
ein sehr starker Wind, der sich aber im Laufe des Abends, aller spätestens
ein bis zwei Stunden nach Sonnenuntergang wieder beruhigt.
Die ersten Sterne beginnen zu funkeln. Als es richtig dunkel ist,
erstrahlt das gesamte Firmament mit Millionen Sternen. |
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