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"auf
Pad"
Seite 2: Von Windhoek Richtung Süden nach
Ai-Ais
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4. Tag, 04.11. Windhoek - Hardap Damm
Um 9 Uhr sind wir unterwegs. Blauer Himmel, angenehme Temperatur;
die große Reise kann nun endlich losgehen. Wir verlassen Windhoek
Richtung Süden auf der Hauptstrasse B1, der Nord-Süd-Achse
des Landes.
Sobald wir die Hauptstadt hinter uns gelassen haben, lässt
der Verkehr schlagartig nach, bis wir den Eindruck haben, die einzigen
hier auf der Straße zu sein. Ab und zu mal Gegenverkehr und
sonst nichts. Vorbei an den Auasbergen geht es Richtung Rehoboth.
Die Landschaft wirkt monoton, es gibt nichts wirklich Aufregendes
zu sehen.
Ständiger Begleiter am Straßenrand ist ein Zaun rechts
und links, Abgrenzung zum privaten Farmland.
20 Kilometer südlich von Rehoboth überqueren wir den Wendekreis
des Steinbocks. Ein großes Schild, welches gerade von einer
Horde Bustouristen belagert wird, zeigt den beliebten Fotopunkt
an.
Die Strecke wird zusehends öde und langweilig. Flache und ereignislose
Landschaft, ermüdend und anstrengend auf Dauer. Auf dem schnurgeraden,
zweispurigem aber relativ schmalen Asphaltband komme ich ab und
zu vom Weg ab und ziehe so mit den linken Reifen am unbefestigten
Straßenrand eine lange Staubfahne hinter mir her. Jedesmal
eine Schrecksekunde, aber im Gegensatz zu den bevorstehenden Sand-
und Schotterpisten ist man hier relativ schnell und leicht wieder
in/auf der richtigen Spur.
Mit knappen 100 km/h (mehr schafft der voll beladene Landy auf gerader
Strecke einfach nicht) fahren wir unserem Tagesziel entgegen - dem
Hardap Damm.
Der Hardap Damm staut den Fish River auf und dient u.a. zur Wasserversorgung
von Windhoek. Man kann Angeln, Boot fahren, Wanderungen unternehmen
und im Camp übernachten. Es gibt ein Restaurant und einen Pool.
Das Camp verfügt über mehrere Hütten und einen Campingplatz.
Hört sich alles überwältigend an, aber wenn im Damm
relativ wenig Wasser ist, auch rings herum die Landschaft vor sich
hin trocknet und im alten Pool die Kacheln fast abfallen, mag man
nicht so recht glauben, dass es hier an Wochenenden und in den Ferien
sehr voll wird.
Wir erreichen unser Ziel schon am Mittag. Gnadenlos knallt die Sonne
senkrecht von oben. Jede Sekunde zuviel ohne Mütze oder Hut
ist gefährlich. Wir sind fast die einzigen im Camp. Ein südafrikanisches
Paar döst unter einem riesigen Akazienbaum. Sonst gibt es hier
allerdings wenig Schatten. Zu heiß zum Bewegen, zu heiß
für den Dachzeltaufbau, zu heiß zum Grillen. Außerdem
ist es erst Mittag. Wir haben unser Ziel viel zu schnell erreicht.
Wir brauchen schnellstens Schatten! Allerdings können wir nicht
den ganzen Tag hier auf dem ereignislosen Campingplatz im Landy
sitzen und darauf warten, das die Sonne endlich untergeht. Das Vorzelt
am Landy bricht beim Aufbau in sich zusammen. Eine
Seitenstange ist verbogen und läßt sich nicht arretieren.
So was erzählt einem der Vermieter natürlich nicht. Kurz
umdisponiert und nach einem Schluck aus der eiskalten Bierdose wird
entschieden: es muss eine Hütte her. Da hier nichts los ist,
haben wir freie Auswahl. So eine Art Reihenbungalow mit 2 Betten,
Kühlschrank, Kochplatte, Dusche und WC, und im "Garten"
ein gemauerter Grill. Für umgerechnet 8,- EUR Aufpreis entfliehen
wir der heißen Sonne. Unsere erste Lehrstunde und Erfahrung
haben wir gemacht: nicht zu früh am Ziel ankommen und auf alle
Fälle einen Schattenplatz finden!
Im kühlen Zimmer richten wir uns häuslich ein. Die Einrichtung
ist aus den Siebzigern, nüchtern aber zweckmäßig.
Nicht gerade umwerfend, aber wir finden es super. Und besser, als
draußen in der Sonne zu verbrennen. Außerdem: Bei dem
Preis kann man nicht meckern. Vor allem ist hier alles sehr, sehr
sauber!
Nachmittags suchen wir Abkühlung im Pool. Auf dem Weg von
einem Schatten zum nächsten verbrennen wir uns die Füße
und halten dieselben in die trübe Brühe. Hier ist lange
nichts mehr gemacht worden. Keine Pflege, keine Wartungsarbeiten,
überall fällt der Putz ab. Im Kinderplanschbecken schwimmt
zwischen Blättern und Eispapiermüll ein Frosch. Den stört
der alte und marode Zustand der Anlage nicht, uns allerdings schon,
weshalb wir Paula besser nicht dort plantschen lassen.
Lange halten wir es am Pool nicht aus. Im Shop versuchen wir irgendetwas
Ess- oder Grillbares zu bekommen, aber außer Dosenfutter,
Postkarten und Bier gibt es hier fast nichts. Gelangweilt nimmt
die Kassiererin das Geld für drei Eis und Brennholz entgegen
und wir flüchten wieder in unsere Behausung. Auf dem Weg dorthin
kommen wir an fünf Angestellten vorbei, die hier für die
Pflege der Grünanlage und des Pools verantwortlich sind. Sie
sind gerade alle mit Rasenmähen beschäftigt: einer schiebt
scheinbar lustlos den Mäher vor sich her, zwei gucken zu und
zwei andere liegen auf der Wiese und schlafen. Bei der Hitze ist
das allerdings nachvollziehbar.
So langsam neigt sich der heiße Tag dem Ende zu; Zeit für
Bier und Grillen. Wenn nicht gegrillt wird, dann wenigstens ein
großes Feuer. Paula hat den Wasseranschluß im Garten
entdeckt und versucht den Hardap Damm trotz unserer Widerworte zu
füllen. Paula und Wasser - eine Traumkombination. Mit Sand
oder Kies dazu ist von ihr stundenlang nichts mehr zu hören
und zu sehen.
Kurz vor Sonnenuntergang ein kräftiger Sturm, der mit fernen
Gewittern schnell vorbeizieht - danach funkelnde Sterne über
unserem Lagerfeuer.
5. Tag, 05.11. Hardap Damm - Ai-Ais / Fish River Canyon
Am
frühen Morgen geht es weiter Richtung Süden. Wir lassen
Mariental links liegen und fahren wieder durch monotone Savannenlandschaft.
Die einzige Abwechslung im Landschaftsbild bietet der Bruckaros,
ein gewaltiger Berg auf der rechten Seite.
Je weiter wir nach Süden fahren, desto öfter sehen wir
Köcherbäume. Sie bieten einen interessanten Kontrast zur
sonst sehr spärlichen Vegetation und geben ein eindrucksvolles
Fotomotiv gerade bei tief stehender Sonne ab.
Nördlich von Keetmanshoop, unserem nächsten Zwischenstopp,
findet man eine enorme Anzahl dieser Bäume im sogenannten "Köcherbaumwald".
Einen erzwungenen Stopp müssen wir über uns ergehen lassen,
als wir kurz vor Keetmanshoop in eine Radarfalle tappen. Ein Polizei-Golf
mit wild winkender Besatzung zwingt mich zum Anhalten. Nanu, eine
Panne? Eine Falle? Die Polizisten sind in Zivil und die poplige
"Police"-Aufschrift auf dem Auto war von weitem nicht
zu erkennen. Der Typ quatscht mich fließend auf Afrikaans
voll, beim Luftholen kann ich ihn kurz unterbrechen und ihm meine
Unkenntnis seiner Landessprache näherbringen.
Na gut, Englisch kann er auch und meint, ich sei in der 70er-Zone
mit 87 km/h durchgerauscht. Auf seinem Bußgeldkatalog macht
das 125 NAM-$, umgerechnet 15 EUR. Bei dem Preis spare ich mir auch
jegliche Diskussion. Es gibt nämlich weder ein Foto, noch einen
anderen Beweis. Die Anzeige auf dem Messgerät ist mittlerweile
auch schon von einem neuen Sünder überboten worden. Als
ich meine Strafe bezahlen will, heißt es dann, man könne
hier vor Ort kein Bargeld annehmen, sondern ich muss in die Stadt
und beim Polizeichef persönlich antreten. Der würde das
Geld verwalten und mir eine Quittung ausstellen.
Als ich dem Mann dann versuche beizubringen, dass ich als normaler
Tourist im Mietwagen eher keine Zeit und Lust habe, mich in der
Polizeistation in die Reihe aufgebrachter einheimischer Verkehrssünder,
Kleinkrimineller und sonstiger Ganoven einzureihen und auf eine
Quittung diesbezüglich auch gerne verzichten möchte, hat
der Gute ein Einsehen und läßt mich vor Ort bezahlen.
Es gibt halt keine Quittung, demnach auch keinen Polizeichef im
Ort, der das unterzeichnet, und - schwupps - verschwindet mein Geld
in der Hosentasche des Polizisten.
In
Keetmanshoop wird nachgetankt und im einem SPAR-Markt eingekauft.
Die nächsten zwei Tage werden wir im dünn besiedelten
äußersten Süden sein, wo es wenig Einkaufsmöglichkeiten
gibt.
Die Stadt ist nicht besonders sehenswert; ein bißchen deutsche
Missionsvergangenheit, ein Kaiserliches Postamt und sonst nicht
viel mehr. Die Stadt dient heute den Reisenden in den Süden
als Zwischenstopp.
Beim Einkaufen bleiben Silvana und Paula im Auto, da es hier keine
Parkwächter gibt. So ein riesiger Landy mit Dachzelten und
allem sichtbaren Krempel innen drin, sticht hier auf der Hauptstrasse
besonders hervor, und der ein oder andere neugierige Blick der Einheimischen
ins Auto ist manchmal sehr verdächtig.
Wir folgen der Straße noch ein gutes Stück nach Westen
Richtung Lüderitz und biegen bei Seeheim nach links ab: Richtung
Südafrika und Fish River Canyon. Auf der Straße C12 heißt
es dann zum ersten Mal: Sandpiste.
Seeheim ist auf der Landkarte als größerer Ort gekennzeichnet,
doch außer einer Kreuzung, einem Bahnübergang und einem
Hotel finden wir in dieser trockenen und heißen Gegend nichts.
Von nun an geht es "auf Pad". Auf dem ersten Teilstück
eine ca. 20 Meter breite Piste, glatt und somit gut befahrbar. Weiß
blendet die Straße in den Augen und bei maximal 80 km/h ziehen
wir eine lange Staubfahne hinter uns her. Nach
einigen Kilometern durch trockene Flussbetten haben wir plötzlich
Wasser vor uns. Der Löwenfluss trocknet fast nie aus, aber
die Durchfahrt durch das flache Gewässer ist unproblematisch.
Wenn es jedoch in den Bergen geregnet hat, kann es für PKW,
und auch manchmal für hochbeinige Geländewagen, eng werden.
Als Alternative muss man dann die D545 über den Naute Damm
wählen.
Die Landschaft wird zusehends interessanter. Wir passieren die
kleinen Karasberge, die Tafelbergen ähneln. Auf der rechten
Seite können wir schon die Ausläufer des Fish River Canyon
erahnen. Kein Baum wächst hier, vereinzelt ein paar Sträucher,
und alles ähnelt eher einer Mondlandschaft. Am zerstörten
Bahnhof Holoog biegen wir rechts zum Canyon ein; nach weiteren 40
km durch Steinwüste folgen wir der D324 nach Ai-Ais. Geradeaus
folgt nach einigen Kilometern das Camp Hobas, noch mal 10 km weiter
der berühmteste Aussichtspunkt zum Canyon hinunter. Das wollen
wir uns aber am nächsten Tag ansehen. An der Canyon Lodge vorbei
schüttelt uns mittlerweile Waschbrett weiter nach Süden.
Interessant werden die Passagen, wenn sich die breite Piste bei
einer Tordurchfahrt bis auf gute 2 m verengt und man fast ungebremst
mit 70 Sachen durch das Tor scheppert... ;-)
Die
Piste will kein Ende nehmen. Ständiger Wechsel zwischen guter
Sandpiste über böses Waschbrett bis hin zu plötzlich
auftretenden Weichsandpassagen. Zum Glück fast immer ohne Gegenverkehr,
so dass man die volle Breite der Piste ausnützen kann. Es passiert
auch oft, das sich auf einmal ein bis zu 50 cm hoher Sandwall kilometerlang
die Straße entlang zieht. Der Grund dafür kommt früher
oder später, denn gigantische Scraper, ähnlich einem Schneeräumfahrzeug,
schaben und hobeln die Strecke glatt und hinterlassen so am Anfang
immer eine Ladung Sand in Form eines Walls. Meist ist so dann die
Hälfte der Piste für einige Zeit blockiert, so dass man
bei Gegenverkehr im möglichst stumpfen Winkel in den Sandwall
hineinfährt.
An einer Abzweigung das Schild nach Ai-Ais. Noch 22 km geht es im
leichten Gefälle den Canyon hinunter.
Vorbei an Rosenquarzfelsen rollen wir die letzten Kilometer bergab.
Wir sind durchgeschwitzt, müde und kaputt von den letzten 200
Km Sand und Schotter. Im Landy ist alles von einer Staubschicht
überzogen.
Noch eine letzte Kurve, dann stehen wir vor dem Eingangstor. Dahinter
Palmen, Schilf, Wasser, eine Oase.
Es gibt hier eine heiße Quelle, Swimmingpools, ein Restaurant,
einen Shop, eine Tankstelle und natürlich das Camp mit Zeltplatz
und Chalets. Luxus nach der anstrengenden Fahrt bei sengender Hitze.
Ai-Ais liegt zwar am südlichen Ausgang des Canyons, aber die
hohen Felsen rings herum sind gigantisch. Sie leuchten am Abend
feuerrot und reflektieren die gespeicherte Hitze des Tages hinunter
ins Camp.
Selbst am späten Nachmittag, als die Sonne schon nicht mehr
den Boden des Camps erreicht, ist es unerträglich heiß
hier unten. Die wenigen Gäste versuchen vergeblich, sich im
über 30 Grad warmen Pool zu erfrischen.
Wir sind alle drei total fertig. Paula ist müde, wir haben
Hunger. Da wir für zwei Tage hier bleiben wollen, beziehen
wir ein geräumiges Zimmer mit Terrasse und Grill. Drinnen ist
es angenehm kühl; die Hintertür führt direkt in das
innen liegende Thermalbad mit ca. 50 Grad Wassertemperatur.
Nach kurzer Zeit brennt der Grill und die ersten Biere sind die
Kehle hinunter gezischt.
Es
ist erstaunlich leer im Camp. Genau wie gestern am Hardap Damm.
Nur etwa fünf Fahrzeuge mit Dachzelt stehen auf dem Gelände
verteilt, das Platz für ca. 50-70 Autos und Overlander-Busse
bietet.
Es ist November, Nebensaison nach den deutschen Ferien, und bevor
die Namibianer und Südafrikaner kommen, vergehen bis Weihnachten
und Neujahr noch ein paar Tage. Außerdem ist es hier einfach
zu heiß und viele Reisende wissen nicht, dass das Camp seit
einiger Zeit trotz der hohen Temperaturen ganzjährig geöffnet
ist. Viele wagen den langen Weg in den Süden gar nicht erst.
Im
Winter, wenn es bei 25 Grad angenehm kühl ist, muss hier die
Hölle los sein.
Dann, am frühen Abend, doch noch die Überraschung: ein kleiner
Pick-Up kommt vorgefahren, hupend hält er vor unserem Haus. Auf
der Ladefläche liegen doch tatsächlich unsere beiden fehlenden
Gepäckstücke!
Kaum vorstellbar, dass der Fahrer die Strecke von Windhoek hier runter
in einem Stück gefahren ist. Er zuckt aber nur lässig seine
Schultern, als sei das für ihn völlig normal, lässt
sich von mir den Empfang des Gepäcks bestätigen und sitzt
schon im selben Moment in seinem Wagen...auf dem Weg nach Windhoek,
wieder 800km zurück. |
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